Bedrohte und Ausgestorbene Tiere

Hier geben sich ausgestorbene und bedrohte Tiere ein Stelldichein. Zunächst figuriert da ein protziger Bär, ein struppiger Wolf, ein Luchs mit einem Reh in den Pranken, eine sprungbereite Wildkatze. Es sind Raubtiere, die dem Menschen haben weichen müssen. Auch in Nidwalden sind sie schon länger ausgerottet. Alfred Jann berichtet in seinem Buch "Das Jagdwesen in Nidwalden", dass der letzte Bär in unserem Kanton 1820 auf der Alp Lutersee beobachtet und vertrieben wurde. Der letzte Wolf wurde bei uns 1833 auf der Alp Chalcherli am Stanserhorn gesichtet, später in Obwalden erlegt und feierlich als Siegestrophäe ins Rathaus Stans gebracht. Fischotter gab es noch 1880 sehr häufig; sie wurden mit Hunden gejagt.

Zu den ausgestorbenen oder bedrohten Tieren zählen auch viele Raubvögel. So vor allem der Bartgeier, einst - noch im 18. Jahrhundert - ein regelmässiger Bewohner der Hochalpen. 1871 wurde in Nidwalden auf dem Altzellerberg das letzte Exemplar dieses grössten einheimischen Raubvogels geschossen. Noch hier im Museum imponiert der Bartgeier mit seinen 2,7 m spannenden Schwingen. Er wirft Knochen im Flug auf eine Felsplatte ("Knochenschmiede"), um sie aufzubrechen, worauf er dann das nahrhafte Knochenmark frisst. Neben ihm muss an Grösse selbst der Steinadler nebenan etwas zurücktreten. In Oberrickenbach ist im Jahre 1911 zum letzten Mal in Nidwalden ein Adler erlegt worden. Zu den am stärksten bedrohten Greifvogelarten gehört der Wanderfalke, in unserer Sammlung durch eine hübsche Vierergruppe vorgestellt, bestehend aus einem Weibchen, einem unausgefärbten Jungtier und zwei Nestlingen im weissen Daunenkleid.

Die Gründe der Bedrohung der einzelnen Vögel sind vielfältig. Dem Purpurreiher auf dem Podest geht der notwendige Lebensraum aus, die Feuchtgebiete. Er wird heute nur noch am Neuenburgersee beobachtet. Vom Raubwürger daneben hat es in der ganzen Schweiz nur noch wenige Brutpaare: Durch intensive Dezimierung der Käfer, Maulwurfsgrillen und anderer Insekten mangelt es ihm an Nahrung. Und der Ziegenmelker (die Nachtschwalbe), den wir hier in der Vitrine aus nächster Nähe und im vollen Licht betrachten können, ist in der Natur nur schwer auszumachen. Er führt eine nächtliche Lebensweise und ist überdies recht selten geworden. Der Rückgang der Nachtfalter, bedingt durch die übermässige Beleuchtung, mag mitspielen. Schon sehr früh ist bei uns der Waldrapp ausgestorben, wohl im 17. Jahrhundert. Konrad Gesner beschrieb 1555 den eigenartigen Vogel sehr genau. Später hielt man seine Beschreibung für ein Phantasieprodukt. Überdies wird der Waldrapp heute im Zoo Basel wieder gezüchtet. Als Albrecht Dürer seine Blauracke malte, war dieser farbenprächtige Vogel in Mitteleuropa noch recht häufig. Obwohl unser Exemplar schon 1907 aus dem Ennerberg bei Stans ins Museum überwechselte, schillert sein Gefieder noch im leuchtenden Blaugrün. Nebst bedrohten Tieren beherbergt die Vitrine noch weitere besonders seltene Tierarten, so einen Schlangenadler, einen Fischadler, ein Pärchen zierlicher Zwergohreulen usw.

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